UKW im Röhrenradio

oder warum man bei alten Radios den UKW Empfang nachstimmen muss

Wenn Sie ein Röhrenradio aus den Jahren 1950 bis etwa 1960 besitzen, werden Sie vielleicht festgestellt haben, das Sie in den ersten 15 – 20 Minuten nach dem Einschalten den eingestellten UKW Sender einmal oder mehrmals Nachstimmen müssen.
Ist das Radio warmgelaufen, ist das nicht mehr nötig.

Warum ist das so?

UKW gibt es in Deutschland seit etwa 1949. Die ersten Empfänger waren noch ziemlich einfach aufgebaut. Sie hatten in der Regel zwei Trioden im Empfangsteil. Später wurden sie durch eine Doppeltriode, meist eine ECC85, ersetzt.

Die Röhren waren auf Grund der hohen Empfangsfrequenz direkt im UKW-Kästchen eingebaut. Zudem war die Röhre auch noch mit einem Abschirmbecher versehen.
Es wurde also ordentlich warm im UKW Teil.
Leider ändern die dort verbauten Bauteile ihre elektrischen Parameter wenn sich ihre Temperatur ändert. Bei der hohen Empfangsfrequenz (87,5-100MHz) hatte diese kleine Änderung zur Folge, das sich dadurch die Abstimmung (insbesondere die Oszillatorfrequenz) ändert und der Radiohörer zum Abstimmknopf greifen muss.

Die Ingenieure haben viel Arbeit darauf verwendet diesen Effekt zu minimieren. Sie verwendeten z. B. Komponenten, deren elektrische Parameter sich gegenläufig ändern und damit zu einer Stabilisierung führen.
Das hat mal gut funktioniert. Aber nach 70 Jahren sind diese Bauteile gealtert. Der Ausgleich funktioniert nicht mehr so richtig und wir müssen den Empfang nachstimmen.

Das wurde etwa 1959/60 besser.

Die Halbleiterdioden wurden bezahlbar. Also haben sie die Hersteller zuerst in den hochwertigen Geräten eingebaut. Mit einer entsprechend angelegten Spannung kann man die Sperrschichtkapazität einer Halbleiterdiode etwas verändern und damit die UKW-Oszillator Frequenz leicht verschieben.
Nun konnte man aus einer Spannung des Ratio-Demodulators eine Nachregelspannung für den UKW Empfang erzeugen. Ein manuelles Nachstellen der Empfangsfrequenz war nicht mehr nötig.
Damit beim Einstellen der Sender diese Nachregelung (AFC) nicht stört, war sie in der Regel abschaltbar. Durch eine Taste oder auch durch drücken des Abstimmknopfes.
AFC=Automatic frequency control.

Mitte der 1960er Jahre kamen die ersten Volltransistortuner für UKW auf den Markt. Da Transistoren nicht mehr heiß wurden, war das thermische Problem viel kleiner. Trotzdem wurde auch hier AFC eingebaut.


Ein Wort zur Abschaltung des analogen UKW Rundfunk

Laut einem Beschluss der EU sollten 2010-2012 alle Rundfunksendungen auf digitale Ausbreitung umgestellt werden.
Bis 2015 sollten dann die analogen Sender abgeschaltet werden.

Am 27.10.2011 beschloss der Bundestag diese Frist aufzuheben.
Das heißt, es gibt im Moment keinen Beschluss zur Beendigung des analogen UKW Rundfunk.
Im letzten Jahr wurden von den Medienanstalten noch UKW-Lizenzen mit einer Laufzeit bis 2029 vergeben. Ob diese und andere dann noch weiter verlängert werden muss man sehen.

Ich denke wir werden UKW Rundfunk auch noch lange über 2029 hinaus haben.


UKW Empfangsfrequenzen
1949-1964: 87,5 – 100 MHz
1964-1968: 87,5 – 104,5 MHz
1968-heute: 87,5 – 108 MHz

Stereo Sendungen ab 1963 (SFB)

Zum Vergrößern der Bilder bitte klicken.